Ich habe meinen Job durch KI ersetzt – und wusste es

Einige Jahre lang durfte ich für einen Kunden an wiederkehrenden Projekten arbeiten. Dabei ging es um Online-Kongresse mit wechselnden Themen und Speakern. Es mussten Biografien erstellt und aktualisiert, Zusammenfassungen der Beiträge geschrieben und Begleitunterlagen zusammengestellt werden. Wir waren hierbei meist ein Team aus drei externen Texterinnen und konnten die anfallende Arbeit nach unseren Stärken untereinander aufteilen.

Vor etwa zwei Jahren sollten/durften/mussten wir auch KI bei den Projekten einsetzen: Wir ließen aus Tonmitschnitten Transkripte erstellen und diese zusammenfassen, sodass wir die Texte “nur” noch lektorieren mussten. Wir ließen automatisierte Übersetzungen erstellen, kontrollierten KI-generierte Synchronisierungen oder vereinheitlichten die Tonalität verschiedener Texte.

Es war absehbar, dass irgendwann nicht mehr wir Texte und Transkripte einspeisen und kontrollieren würden, sondern unsere Jobs ersetzt werden. Ich hatte allerdings gehofft, dass es noch dauert.

Im November, als eigentlich schon längst das Briefing für das nächste Projekt hätte stehen müssen, dann die Gewissheit: Wir sind raus. Wir wurden ersetzt. Wir haben uns selbst ersetzt.

Denn durch unsere Arbeit der letzten Jahre sind viele Erfahrungen gewonnen worden. Ich persönlich fand vieles vom KI-Output nicht veröffentlichungsfähig. Ich habe mich meist nur davon inspirieren lassen und doch meine eigenen Zusammenfassungen geschrieben. Ich habe die Übersetzungen und Synchronisationen oft stark bearbeiten müssen, damit sie überhaupt konsistent nach Deutsch klangen. Ich habe mehrere Quellen zusätzlich geprüft, damit alles stimmte. Wir haben die Videobeiträge der Speaker kontrolliert und oft Tonfehler, falsche Einblendungen oder andere Unstimmigkeiten gefunden. Wer das jetzt macht, ob es überhaupt jemand macht – keine Ahnung. Und tatsächlich muss ich mir eigentlich auch keine Gedanken darüber machen. Ich bin nicht mehr Teil dieser Projekte. Ich habe mich ersetzt.

Aber dafür habe ich jetzt mehrmals im Jahr Kapazitäten für neue, andere Projekte. Für solche, bei denen ich entweder ebenfalls daran arbeite, dass Systeme so trainiert werden, damit sie irgendwann ohne mich arbeiten können – und für solche, bei denen KI einfach nicht das trifft, was Auftraggeber und deren Kunden sich wünschen. Ich freue mich auf beides, auf Neues.